Historie
Unsere Historie
Im Laufe der Zeit
Die Anfänge
Die Wurzeln der Schiffergesellschaft reichen bis ins Mittelalter zurück, als sich Oldenburg zu einem bedeutenden Zentrum des Seehandels entwickelte.
Die Niederschrift der Satzung
„Im namen der heiligen drefoldicheit Gottes, amen!“ – so beginnt das älteste Gildebuch der Schiffergesellschaft. An diesem Tag versammelten sich die sämtlichen Schiffer Oldenburgs und beschlossen ihre Satzung. Die Gründer waren nicht nur einfache Seeleute, sondern oft Kapitäne, Reeder und Kaufleute zugleich.
Die Gründungsmitglieder
27 Schiffer unterzeichneten die Satzung, darunter Heinrich Wulff, Johann Alers, Christoffer Wineken, Sorgen Oltken, Heinrich Maeß, Gerd Kock und viele mehr. Anwesend waren auch Ratsherren der Stadt Oldenburg, die als Reeder persönlich Anteil an der Gründung nahmen.
Das älteste Gildebuch
Das bei der Ordnung der städtischen Archivalien wiederentdeckte Gildebuch besteht aus 94 Papierblättern in 12 Lagen. Es enthält Satzungen und Beschlüsse, Aufzeichnungen über die Aufnahme neuer Mitglieder, Jahresabrechnungen und Neuwahlen der Aelterleute.
Aufschwung des Seehandels
Die Bedeutung des Schifferstandes zeigte sich auch in der Errichtung einer Islandreedereigesellschaft 1580. Von den Gründungsmitgliedern der Schiffergesellschaft waren Jürgen Oltken und Klaus Kock an diesem Unternehmen beteiligt.
Reform der Collatie
Die Gesellschaft beschloss neue Regelungen für ihre Mahlzeiten: „Weil eine Zeit hero unter unser Schiffergesellschaft eine Ordnung entstanden ist, daß ein jeder fast über die Maßen schaffet“. Fortan galt ein fester Speiseplan: ein Schinken, eine Mettwurst, ein Stück Senfleisch, ein Gericht Salz- oder Stockfisch, dazu Käse, Butter und Brot. Bei Verstoß drohte eine Strafe von einer halben Tonne Oldenburger Bier.
Modernisierung der Fürsorge
Das ursprüngliche Bestreben, für verarmte Mitglieder zu sorgen, wurde durch die Gründung der Schiffer-Witwen-, Waisen- und Altersversorgungsanstalt in eine moderne gesetzliche Form überführt.
Überlebenskraft
Während das Zunftwesen im 19. Jahrhundert aufgelöst wurde, bestand die Schiffergesellschaft fort – als einzige der alten Oldenburger Berufsgenossenschaften.
Wissenschaftliche Würdigung
Der oldenburgische Geschichtsforscher Ludwig Strackerjan machte auf die geschichtliche Bedeutung der Gesellschaft aufmerksam. Er beschrieb die 24 historischen Trinkgeschirre der Gilde, die im Landesgewerbemuseum aufgestellt wurden.
Tradition und Moderne
Die Gesellschaft hat ihren Charakter gewandelt: Aus der reinen Schiffergilde wurde eine weltoffene Gemeinschaft mit fast 400 Mitgliedern aus allen Berufsgruppen. Der Grundgedanke von Geselligkeit und Fürsorge ist geblieben.
Besondere Traditionen
Die jährliche Hauptversammlung am Neujahrstag war der wichtigste Tag für die Gilde. Nach der Rechnungslegung und der Aufnahme neuer Mitglieder folgte ein festliches Mahl, das von einem „Schaffer“ ausgerichtet wurde.
In den ältesten Aufzeichnungen herrschte noch das Plattdeutsche vor. Erst im Laufe des 17. Jahrhunderts wurde es durch das Hochdeutsche verdrängt – doch manchmal verriet noch ein Wort, dass die Schreiber sich im Verkehr der Mundart bedienten.
Die Bezeichnung „Gesellschaft“ statt „Amt“ bekundete den Anspruch auf höhere soziale Geltung gegenüber den in Ämtern vereinigten Handwerkern. Nur die Tuchhändler führten ebenfalls den Titel „Gesellschaft“.