Historie

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Unsere Historie

Die Oldenburgische Schiffergesellschaft ist die einzige der in Oldenburg gegründeten berufsgenossenschaftlichen Vereinigungen, die dem Vorgehen des 19. Jahrhunderts gegen das Zunftwesen ohne Unterbrechung oder wesentliche innere Umwandlung standgehalten hat.

Im Laufe der Zeit

Mittelalter

Die Anfänge

Die Wurzeln der Schiffergesellschaft reichen bis ins Mittelalter zurück, als sich Oldenburg zu einem bedeutenden Zentrum des Seehandels entwickelte.

2. Februar 1574

Die Niederschrift der Satzung

„Im namen der heiligen drefoldicheit Gottes, amen!“ – so beginnt das älteste Gildebuch der Schiffergesellschaft. An diesem Tag versammelten sich die sämtlichen Schiffer Oldenburgs und beschlossen ihre Satzung. Die Gründer waren nicht nur einfache Seeleute, sondern oft Kapitäne, Reeder und Kaufleute zugleich.

Die Gründungsmitglieder

27 Schiffer unterzeichneten die Satzung, darunter Heinrich Wulff, Johann Alers, Christoffer Wineken, Sorgen Oltken, Heinrich Maeß, Gerd Kock und viele mehr. Anwesend waren auch Ratsherren der Stadt Oldenburg, die als Reeder persönlich Anteil an der Gründung nahmen.

1574-1731

Das älteste Gildebuch

Das bei der Ordnung der städtischen Archivalien wiederentdeckte Gildebuch besteht aus 94 Papierblättern in 12 Lagen. Es enthält Satzungen und Beschlüsse, Aufzeichnungen über die Aufnahme neuer Mitglieder, Jahresabrechnungen und Neuwahlen der Aelterleute.

1580

Aufschwung des Seehandels

Die Bedeutung des Schifferstandes zeigte sich auch in der Errichtung einer Islandreedereigesellschaft 1580. Von den Gründungsmitgliedern der Schiffergesellschaft waren Jürgen Oltken und Klaus Kock an diesem Unternehmen beteiligt.

Januar 1671

Reform der Collatie

Die Gesellschaft beschloss neue Regelungen für ihre Mahlzeiten: „Weil eine Zeit hero unter unser Schiffergesellschaft eine Ordnung entstanden ist, daß ein jeder fast über die Maßen schaffet“. Fortan galt ein fester Speiseplan: ein Schinken, eine Mettwurst, ein Stück Senfleisch, ein Gericht Salz- oder Stockfisch, dazu Käse, Butter und Brot. Bei Verstoß drohte eine Strafe von einer halben Tonne Oldenburger Bier.

1832

Modernisierung der Fürsorge

Das ursprüngliche Bestreben, für verarmte Mitglieder zu sorgen, wurde durch die Gründung der Schiffer-Witwen-, Waisen- und Altersversorgungsanstalt in eine moderne gesetzliche Form überführt.

19. Jahrhundert

Überlebenskraft

Während das Zunftwesen im 19. Jahrhundert aufgelöst wurde, bestand die Schiffergesellschaft fort – als einzige der alten Oldenburger Berufsgenossenschaften.

1855/1858

Wissenschaftliche Würdigung

Der oldenburgische Geschichtsforscher Ludwig Strackerjan machte auf die geschichtliche Bedeutung der Gesellschaft aufmerksam. Er beschrieb die 24 historischen Trinkgeschirre der Gilde, die im Landesgewerbemuseum aufgestellt wurden.

Heute

Tradition und Moderne

Die Gesellschaft hat ihren Charakter gewandelt: Aus der reinen Schiffergilde wurde eine weltoffene Gemeinschaft mit fast 400 Mitgliedern aus allen Berufsgruppen. Der Grundgedanke von Geselligkeit und Fürsorge ist geblieben.

Besondere Traditionen

Die Collatie

Die jährliche Hauptversammlung am Neujahrstag war der wichtigste Tag für die Gilde. Nach der Rechnungslegung und der Aufnahme neuer Mitglieder folgte ein festliches Mahl, das von einem „Schaffer“ ausgerichtet wurde.

Sprache der Schiffer

In den ältesten Aufzeichnungen herrschte noch das Plattdeutsche vor. Erst im Laufe des 17. Jahrhunderts wurde es durch das Hochdeutsche verdrängt – doch manchmal verriet noch ein Wort, dass die Schreiber sich im Verkehr der Mundart bedienten.

Soziale Stellung

Die Bezeichnung „Gesellschaft“ statt „Amt“ bekundete den Anspruch auf höhere soziale Geltung gegenüber den in Ämtern vereinigten Handwerkern. Nur die Tuchhändler führten ebenfalls den Titel „Gesellschaft“.